Ein Milliardär sucht Geld

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  • Unerwartet kündigte Tesla-Chef Elon Musk an, dass sein Unternehmen von der Börse genommen werden könnte.
  • Das würde viel Geld kosten, denn die Aktionäre müssten ausgezahlt werden.
  • Doch Musk hat einige Möglichkeiten, um den Aufwand zu reduzieren.


Von Jürgen Schmieder, Los Angeles, und Meike Schreiber, Frankfurt

Die Antwort der US-Börsenaufsicht SEC ließ nicht lange auf sich warten: Gut 24 Stunden nachdem Elon Musk die weltweite Finanz- und Fachwelt mit einem Tweet in Aufruhr versetzt hatte, er wolle den Elektroautobauer Tesla von der Börse nehmen und habe sogar die nötige Finanzierung gesichert, ließ die SEC via Wall Street Journal wissen, man schaue sich die Sache genauer an.

Die strenge US-Börsenaufsicht will nun prüfen, ob die Erklärung von Musk ernst gemeint gewesen sei, berichtete die Zeitung diese Woche unter Berufung auf Insider. Zudem wollte die Behörde eine Erklärung, warum er die Nachricht über Twitter und nicht im üblichen Verfahren für wichtige Firmennachrichten mitgeteilt habe.

Nach Marktwert wäre Tesla das größte Unternehmen, das sich je von der Börse zurückziehen würde

“Ich denke darüber nach, Tesla für $420 von der Börse zu nehmen. Finanzierung gesichert”, hatte Musk am Dienstagabend deutscher Zeit seinen 22 Millionen Followern auf Twitter angekündigt. 420 US-Dollar will er den Aktionären pro Aktie zahlen. Kontrolliert er die Mehrheit, kann er Tesla von der Börse nehmen.

Derzeit hält er bereits 20 Prozent der Firma. Nach Marktwert von damit 72 Milliarden Dollar wäre Tesla das größte Unternehmen, das sich jemals von der Börse zurückziehen würde. Abseits der Wall Street, so hofft Musk, muss er sich nicht mehr dauernd für gewagte Ideen rechtfertigen oder dafür, das Geld der Investoren zu verbrennen.

Ob es so weit kommt, ist jedoch völlig unklar. Denn noch gelten die Regeln des Kapitalmarktes auch für Elon Musk, mögen sie in den Augen des Unternehmers noch so kleingeistig wirken: Zwar dürfen US-Firmen, anders als in Europa, kursrelevante Nachrichten prinzipiell per Twitter verbreiten.

Sie müssen den Investoren aber zuvor auf der Internetseite mitteilen, wo sie informiert werden. Alle Anleger sollen möglichst gleichzeitig Bescheid wissen. Außerdem hätte er den Plan womöglich früher melden müssen. Viele Anleger, die auf den Absturz der Aktie gewettet hatten, sind auf dem falschen Fuß erwischt worden. Tesla drohen nicht nur Strafen der Aufsicht wegen Marktmanipulation, auch könnten Hedgefonds Elon Musk mit Klagen überziehen. Der Kurs war nach dem Tweet um elf Prozent gestiegen, zwar nicht auf 420, aber immerhin auf gut 380 Dollar – am Donnerstag ging die Aktie nur noch mit gut 352 Dollar aus dem Handel, ein Verlust von 4,8 Prozent.

Aktienmarkt hat viele Vorteile

Über allem schwebt daher die Frage: Hat Elon Musk die Finanzierung wirklich sicher? Und wenn ja, wer könnten seine Geldgeber sein, und wie soll das Ganze ablaufen? Es kommt schließlich selten genug vor, dass Unternehmen der Börse den Rücken kehren. Eigentlich überwiegen die Vorteile einer Börsennotierung. Allen voran schnell wachsende Firmen können sich über die Ausgabe neuer Aktien rasch neues Kapital besorgen. Gelegentlich aber kommt es vor, dass Finanzinvestoren angeschlagene Unternehmen günstig übernehmen, um sie abseits der Börse auf die Beine zu bringen. Der Rückzug ist oft ein Alarmzeichen und der Anfang vom Ende.

In der Regel sprechen Finanzinvestoren in solchen Fällen ein Übernahmeangebot für alle Aktien aus. Im Falle von Tesla würde das enorme 72 Milliarden Dollar kosten. Das wäre viel zu viel für einen, sogar für mehrere Finanzinvestoren. Es bräuchte außerdem finanzierungswillige Banken, die den Finanzinvestoren für ihren Aktienkauf Kredit geben. Tesla aber schreibt Verluste, verliert Quartal um Quartal Milliarden, die aber nötig wären, um die Zinsen für Bankkredite oder Anleihen zu bezahlen. Spätestens seit der Finanzkrise herrscht auch unter den sonst risikofreudigen Finanzinvestoren Vorsicht vor großen schuldenfinanzierten Übernahmen.

Kein Gezwitscher von der Börse

Wäre auch in Deutschland möglich, was Elon Musk seinen Aktionären zugemutet hat, eine kursrelevante Nachricht einfach per Twitter zu verkünden? Was in den USA prinzipiell erlaubt ist, geht in Europa nicht. Die europäischen Börsenregeln schreiben vor, dass Insiderinformationen über Medien veröffentlicht werden, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie die Information in der gesamten EU und in den Vertragsstaaten veröffentlichen. “Eine Verbreitung über Twitter oder andere soziale Medien reicht dafür nicht aus”, heißt es bei der Finanzaufsicht Bafin. Insiderinformationen sind Informationen, die den Aktienkurs bewegen können. Wenn Unternehmen etwas Größeres planen, etwa Stellenstreichungen, eine Übernahme oder den Verkauf einer Tochter, dann müssen sie das so früh wie möglich veröffentlichen oder sich von der Meldepflicht formell befreien lassen. Damit sollen Insidergeschäfte und Marktmanipulation verhindert werden. Alle Anleger sollen möglichst gleichzeitig erfahren, wenn etwas wichtiges passiert. In der Regel verbreiten die Unternehmen die dazu notwendigen Ad-Hoc-Informationen mit Hilfe eines Dienstleisters und veröffentlichen sie auf ihrer Internetseite. Meike Schreiber

Tesla könnte kleinen Teil der Aktien herauskaufen

Viel wahrscheinlicher ist daher, was laut New York Times unter Investmentbankern an der Wall Street die Runde macht, die sich bereits um das lukrative Beratungsmandat balgen. Demnach könnte Tesla zunächst versuchen, nur die kleineren Privatanleger herauszukaufen, die rund 19 Prozent halten. Dadurch könnte er die Anzahl der Aktionäre so weit reduzieren, dass er sich nach den Regeln offenbar von der Technologiebörse Nasdaq zurückziehen dürfte. Kostenpunkt der Aktion: rund zehn bis 20 Milliarden Dollar. Das wäre zwar immer noch viel Geld, aber für einige Investoren und Banken eher machbar.

Profi-Investoren wie Fidelity, diverse andere Fonds und Musk selbst könnten ihre Aktien hingegen behalten. Jetzt schon kontrollieren sie rund 45 Prozent. Sie könnten auch nach dem Rückzug von der Nasdaq noch mit den Aktien handeln, wenngleich nicht mehr auf einem regulierten Börsenplatz. Der Vorteil für Tesla: Keine Transparenzpflichten und keine Angst vor Hedge-Fonds, die es schwerer hätten, auf einen Kursverfall der Aktien zu wetten. Die Nachteile: Die Aktien würden seltener gehandelt, weil die meisten Fonds abseits der Börse gar keine Aktien kaufen dürfen. Fidelity zum Beispiel soll gar nicht eingeweiht gewesen sein in die Pläne, genauso wenig wie der Arabische Staatsfonds, der gerade mehrere Milliarden in Tesla investiert hat.

Ohnehin dürfte sich die Operation nun mehrere Monate hinziehen. Ein paar Tweets reichen dafür nicht aus.

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