Chinesen kontrollieren Grammer

0
3


Frankfurt.

Darum ist der bayerische Autozulieferer froh, dass nun die Investorenfamilie Wang zwei Drittel des Unternehmens hält.

Von Mischa Ehrhardt, 09.08.2018

Eine Variante der Erzählung über chinesische Investoren beginnt mit Furcht. Der Furcht, dass Hightech-hungrige chinesische Unternehmen Know-how aus deutschen Unternehmen klauen, um damit die Märkte mit eigenen Produkten zu erobern. Beim Autozulieferer Grammer gibt es eine etwas andere Erzählung. Denn das Amberger Unternehmen hatte sich bereits vor einem Jahr Schützenhilfe aus China geholt, um sich gegen einen europäischen Investor zu wehren. Mit Erfolg: Der ungeliebte Aktionär Hastor zieht sich nun aus dem Unternehmen fast vollständig zurück.

Die bosnische Unternehmerfamilie Hastor habe ihre Grammer-Beteiligung von gut 19 Prozent bis auf einen kleinen Rest der chinesischen Ningbo Jifeng angedient, hieß es in einer Mitteilung der Hastor-Investmentgesellschaft Cascade. Am Montagabend war die Übernahmefrist abgelaufen. Mit der Transaktion wird die chinesische Investorenfamilie Wang mehr als zwei Drittel der Grammer-Anteile halten. Grammer selbst wollte sich bis Redaktionsschluss nicht zum Thema äußern. Am Stammsitz von Grammer in Amberg dürfte man aber wohl erleichtert sein.

Denn Hastor ist hierzulande vor allem durch Prevent bekannt geworden. Ein Autozulieferer, der mit viel Druck bei Volkswagen höhere Preise durchsetzen wollte. Die Bänder in Wolfsburg standen zeitweise still. Volkswagen hat sich von diesem Autozulieferer nun abgewendet. Auch die wochenlangen Streiks beim Autozulieferer Neue Halberg Guss liegen an einem Konflikt zwischen den Interessen der Belegschaft und Prevent – als Investor im Hintergrund. „Das Geschäftsmodell, das Prevent praktiziert, ist – zurückhaltend formuliert – höchst fragwürdig“, sagte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte unmittelbar vor dem aktuell noch laufenden Schlichtungsverfahren bei der Neuen Halberg Guss. „Denn dieses Geschäftsmodell zielt nicht darauf ab, eigene Produkte zu entwickeln, sondern Automobilhersteller unter Druck zu setzen, exorbitante Preiserhöhungen durchzusetzen“.

Offenbar gab es ähnliche Befürchtungen auch bei Grammer. Dort hatte sich die Betriebsleitung bereits vor einem Jahr Hilfe bei der Jifeng geholt, um eine angestrebte Machtübernahme durch Hastor abzuwehren.

Ein guter Investor mit ganz normalen Absichten

Die Befürchtung, dass mit dem neuen Mehrheitseigentümer wichtiges Know-how nach China fließen könnte, haben Beobachter in diesem Fall nicht. „In erster Linie ist Jifeng ein stabiler Investor“, meint Jürgen Pieper, Autoexperte beim privaten Bankhaus Metzler. „Zweitens ist Grammer kein High-Tech-Unternehmen. Ich glaube wirklich, dass Jinfeng ein guter Investor mit ganz normalen Ansichten und Plänen ist“. Ein anderes positives bekanntes Beispiel ist der Roboterbauer Kuka. Der wurde vom chinesischen Weißwarenhersteller Midea übernommen. Erst in dieser Woche hat die Bundesregierung Pläne bekannt gemacht, Investitionen ausländischer Geldgeber in hiesige Unternehmen schärfer prüfen zu wollen. Statt ab einer Beteiligung von bislang 25 Prozent sollen Prüfungen schon ab einer Schwelle von 15 Prozent kommen. Das betrifft allerdings vor allem kritische Bereiche, in denen Unternehmen an Technologien arbeiten, die sicherheits- oder verteidigungsrelevant sind.

Bei Grammer sollte das nicht der Fall sein. Denn wer bei Grammer einkaufen will, sucht eher spezielle Dinge. Zum Beispiel eine „Smart Cab“. Das ist das Innenleben einer Fahrerkabine, die man beispielsweise in Mähdrescher einbauen kann.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here